Perfect Pop Records

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POP59 – Plattentests.de

The Jessica Fletchers – You spider

Schoenwetter / Broken Silence
VÖ: 09.05.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Mitgehangen, mitgefangen

Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben. So halten es The Jessica Fletchers auch auf “You spider” wieder. Beim Vorvorgänger “What happened to the ?” galt die Liebe der “Bloody seventies love”, und beim direkten Vorgänger “Less sophistication” musste schließlich sogar die freie Büroliebe herhalten. Das neue Werk erscheint nun auf dem österreichischen Label Schoenwetter, und folgerichtig gilt es für die Osloer Band, ihre Liebe zum Land der Schnitzel und Berge zu beweisen – und natürlich zu den haarigen Angelegenheiten – kurz: den Spinnen -, von denen im Albumtitel die Rede ist. Das Quintett um Sänger Thomas Innstø¸ nähert sich dabei den kitschigeren Sounds der 80er Jahre, wie beispielsweise Alphaville oder den Psychedelic Furs in ihren poppigsten Momenten.

Ein Paradebeispiel für ein Mid-80s-Revival bietet schon der Auftakt mit “I’m just a man”. Der Song liefert allerlei gängige Sozialromantik-Klischees mit: Frau weg, Mann ganz allein in der langweiligen Stadt. Doch immer schön ein wenig ironisch gebrochen, versteht sich. Mit verzerrten Gitarren- und Keyboardsounds geht es in “Let’s get together” weiter. Immer nach vorne, auch wenn einige kleinere Brüche die Linearität stören. Mit “I am the spider” folgt ein erstes Highlight mit Mitsingrefrain, der nicht soweit weg ist von The Killers und Konsorten. Eingängigkeit stellt auch der lupenreine Popsong “The girl I’ve been waiting for” unter Beweis. Einer Band wie den Pigeon Detectives würde dieser auch gut stehen.

Die zweite Hälfte von “You spider” ist etwas störrischer und durchgeknallter. Die Richtung bleibt jedoch die gleiche. Im Sauseschritt und mit kleinen Umwegen geradeaus. Der Titeltrack wechselt im Vergleich zu “I am the spider” einfach die Perspektive, und das schlicht vor sich hinträllernde “City lights” wird mir Handclaps und “Lalala”-Chären versücht. Es ist leicht, leicht treibend auch, aber gleichzeitig resignierend, wenn auch nicht pessimistisch: “Oh, city lights don’t see the truth / Life just had to go on.” Die nächsten beiden Songs, “Stop now!” und “Is that you”, sind kleine, feine Stampfer, die auch in ihrer Austauschbarkeit durchaus gefallen kännen.

Einen wunderschönen Abschluss läutet “Don’t try me” mit sirenenartigen Geräuschen ein. Es fasst noch einmal alles bisher Geschehene zusammen und behält gewohntermaßen die Richtung des Albums bei. Ob “Oh no, oh no” oder “Oh yeah yeah yeah” – das sind Gegensätze, die in diesem Popgewand ohne größere Anstrengungen vereinigt werden. The Jessica Fletchers beweisen somit erneut, wie man mit recht einfachen Mitteln eingängige Melodien mit tanzbaren Rhythmen verweben kann und zeigen, dass sich Vergangenes leicht in die Gegenwart transportieren lässt. Auf eine neue, alte Liebe beim nächsten Mal.

(Carsten Rehbein)


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